Wein-Region Südtirol

Wein-Region Südtirol

Wenn es um Südtirol als Weinland geht, bin ich nicht objektiv. Das liegt zum einen daran, dass ein Teil meiner Familie von dort stammt. Zum anderen habe ich selbst über ein Jahr dort gelebt und während dieser Zeit viele Weine probieren können, die ich in deutschen Vinotheken nie gefunden hätte. Der wichtigste Impuls für mein Interesse am Südtiroler Wein kam jedoch von einer Weinreise nach Oberitalien, die ich 2001 für den Marketing-Club München organisierte. Der erste Stopp dieser Bus-Reise war in Südtirol bei zwei renommierten Winzern, die ihre Weine auch heute noch unabhängig produzieren und vermarkten, also ihre Trauben nicht an eine Kellereigenossenschaft verkaufen. 

 

Lageder und Tiefenbrunner – zwei Südtiroler Wein-Ikonen

Alois Lageder hat in Margreid, am südlichsten Zipfel der Südtiroler Weinstraße, sein Weingut „Ansitz Löwengang“. Die Kellereigebäude wurden nach ökologischen Kriterien umgebaut und der Winzer führte uns persönlich durch diesen „Niedrigenergiebau“. Es war weniger ein Weinkeller als ein Turm, zu dem die geernteten Trauben transportiert, im obersten Stock gepresst und für jeden weiteren Arbeitsschritt ein Stockwerk tiefer „gesenkt“ wurden, bis sie dann im untersten Geschoss ins Weinfass kamen. So werden zusätzliche Transportwege vermieden und der Energiebedarf gemindert, da die natürliche Schwerkraft ausgenutzt wird. Ich war sehr beeindruckt und wegen der anregenden Düfte nach Maische und Wein auch sehr durstig. Leider stellte sich heraus, dass eine Verkostung der Weine wohl nicht Teil der Kellerführung war – jedenfalls gab es nichts zu trinken.

Das holten wir dann ausgiebig im nahegelegen Castel Turmhof der Kellerei Tiefenbrunner in Entiklar/Kurtatsch nach. Die Brotzeit dort war unvergesslich gut und die Weine auch: Den mehrfach prämierten Müller-Thurgau „Feldmarschall von Fenner zu Fennberg“ brachte ich allerdings meinen Eltern mit – die Rebsorte war mir damals noch nicht so ganz geheuer.

 

Wein-Genuss im Südtirol-Urlaub

In den nächsten Jahren urlaubte ich regelmäßig an der Südtiroler Weinstraße, probierte mich auch durch andere Weine als Weißburgunder und Chardonnay, absolvierte eine Kellerführung in Terlan, wanderte den Weinlehrpfad in Kurtatsch und ging sogar einmal auf ein Gewürztraminer-Symposium in Tramin und bestaunte die riesige Auswahl an Hunderten verschiedener Weine dieser einen Rebsorte.

Was mir bei meinen Fahrten entlang der Weinstraße immer öfter auffiel, waren neue, große Vinotheken in moderner Architektur, die oft optisch nicht recht zu den idyllischen Weinbergdörfern passen wollten. Sie gehören Kellereigenossenschaften, an die verschiedene Weinbaubetriebe ihre Trauben liefern, dort vinifizieren und gemeinschaftlich vermarkten. Die Genossenschaften produzieren knapp 75 % des Südtiroler Weins und sind für die vielen kleinen Weinbauern mit durchschnittlich 1 ha Rebfläche oft die einzige, wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit ihre Trauben zu verkaufen. Heute bündeln zwölf Kellereigenossenschaften die Vielzahl an Weinbauern mit unterschiedlichen Betriebsgrößen. 

 

Südtiroler Weine für den Feierabend  

Von 2009 bis 2011 lebte ich dann nacheinander in Bozen, Meran und am längsten in Bruneck im Pustertal. Letzteres ist keine Weingegend – eine breite Auswahl an Weinen der Südtiroler Winzer und Kellereigenossenschaften bekam ich aber in jedem Interspar. Meine Favoriten in der Zeit wurden der „Pefferer„, ein trocken ausgebauter Goldmuskateller der Kellerei Schreckbichl und süffiger Weingenuss für jeden Tag – wenn man aromatische Rebsorten mag. Total verrückt bin ich immer noch nach dem Spargelwein der Kellerei Terlan, ein Sauvignon blanc, der gesondert gelesen und früher auf die Flasche gezogen wird. Leider ist er auch immer recht schnell ausverkauft, da muss man auch vor Ort schnell sein im Februar/März, um sich eine Kiste für die Spargelsaison zu sichern. In der Zeit profilierten sich neben Alois Lageder auch Elena Walch, Manincor, Castel Sallegg und andere als eigenständige Winzer auf dem internationalen Parkett. Deren Weine konnte ich mir aber mit meinem italienischen Gehalt nicht leisten.

Klimawandel und bio-dynamischer Weinbau in Südtirol heute

WeinGut Seppi, Kaltern, Südtirol_Homepage
Bio-dynamisch bearbeiteter Weinberg in Kaltern

Der ökologische und bio-dynamische Weinbau ist auch in Südtirol auf dem Vormarsch. Lageder ist wohl der prominenteste und auch bekannteste Vertreter. Auch das Weingut Loacker hat schon früh (1976) und radikal auf die Bio-Dynamie im Weinberg gesetzt. Manincor in Kaltern ist hier noch zu nennen und das Weingut Seppi.

Aber auch der Klimawandel beschäftigt die Südtiroler Weinbauern. Manchen Rebsorten wie dem Vernatsch wird es in tiefer gelegenen Gegenden nun zu warm und die Weine werde zu alkoholreich. Der Lagrein hingegen liebt die Hitze und Trockenheit und kann die zunehmende Erwärmung gut aushalten. Damit geht einher, dass auch vermehrt mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten experimentiert wird, da diese eine deutliche Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen.

DAS VIINO-FAZIT

Südtirol ist aus vielen Gründen eine Reise wert. Die Bodenständigkeit der Südtiroler, ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit und ihr pragmatischer Geschäftssinn prägt auch die Weinwirtschaft. Man findet hier Großkellereien genau so wie hartnäckige Öko-Weinbauern und elegante, international vermarktete Wine Brands. Einfach los und probieren, lautet meine Empfehlung.


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